Saigon Küche ist eines dieser Lokale, die du beim Vorbeigehen drei Mal übersiehst, weil die Fassade nichts hermacht. Drinnen: zwölf Plätze, Plastiktische, ein Aquarium im Eck. Sieht aus wie 2008. Schmeckt nach 1995 Saigon.
Die Pho kommt in einer Schüssel die kaum auf den Tisch passt. Brühe klar, leicht zimt-anis-erdig, kein Pulver-Geschmack, kein süßlicher Beigeschmack — die Frau die hier kocht hat das nicht in einem Wochenendkurs gelernt. Reisnudeln al dente, dünn aufgeschnittenes Rindfleisch das in der heißen Brühe nachzieht.
Dazu der obligate Teller mit Limette, Thai-Basilikum, Sojasprossen, Chili — selber portionieren. Hoisin und Sriracha sind hausgemacht, das schmeckt man am ersten Löffel.
Was bremst: der Service ist eher „hingestellt" als geführt, an zwei von drei Tischen lief der Fernseher mit vietnamesischer Telenovela. Wer ein bisschen Atmosphäre erwartet, wird enttäuscht. Wer Essen erwartet, gewinnt.